Dramaturgie

Die Dramaturgie ist eine graphische Darstellung des Beratungs- und Interventionsverlauf, welche zur Veranschaulichung aktueller Problemlagen, sowie zur Beobachtung von Auffälligkeiten dienlich ist. Des Weiteren ist sie ein nützliches und unproblematisches Dokumentationsinstrument. Sie ermöglicht auf der einen Seite einen schnellen Überblick über aktuelle Geschehnisse, auf der anderen Seite kann man bei Führung über einen längeren Zeitraum durchaus Muster und Strukturen z.B. bei RückfaÅNllen erkennen und dementsprechend früh reagieren. Sie wurde von uns während des Projektes entwickelt, um die Diagnostik und Begleitung abzurunden. Die Dramaturgie gliedert sich in fünf unterschiedliche Teile. Im ersten Teil werden die Bereiche Arbeit, Finanzen, Gesundheit und Wohnsituation knapp dargelegt. Dieser Teil entspricht einer starken Reduzierung der IC`s 2 nach Pantucek. Im zweiten Teil erfolgt eine graphische Darstellung der Interventionsgeschichte nach Ort und Art. Dieser Teil entspricht mit einigen Vereinfachungen dem Ablaufdiagramm nach Pantucek. Der nächste Teil, stellt eine kontinuierliche Zeitleiste dar, wobei hier die Möglichkeit besteht z.B. Krankenhausaufenthalte farbig zu kennzeichnen. Der vierte Teil umfasst das Anrufprotokoll. Es zeigt auf, wann wir oder der Klient die Initiative zum anrufen ergriffen hat oder wann Telefonate mit dritten stattgefunden haben. Der letzte Teil ist der Individualteil, er wird jedem Klienten separat angepasst. So haben wir z.B. bei einem Klienten die Stimmungslagen erfasst und bei einem anderen den Alkohol- und Medikamentenkonsum. Zum besseren Verständnisse der Dramaturgie findet sich anschließend ein Ausschnitt der Dramaturgie von M2, der die Verbringung ins Krankenhaus verdeutlicht, sowie ein Ausschnitt von M1 welcher einen Rückfall darstellt. Wird die Dramaturgie adäquat geführt, bildet sie nach einiger Zeit Muster ab, welche frühzeitige Interventionen ermöglichten. Dies geschah dann z.B. entweder in der Umstellung von aufsuchender und wartender Tätigkeit oder im Aufzeigen von rezidivierenden Verhaltenscharakteristika.

Auszüge aus den differenten Dramaturgien


Legende:


Krankenhauseinweisung von M2

Welche Informationen diese graphische Darstellung noch beinhaltete und wie man diese liest, werden wir nun am Beispiel des 17.2.2010 und der folgenden Woche zeigen: Am 17.Februar ruft uns M2 an und bittet uns, ihn in die Notaufnahme des Krankenhauses zu begleiten, um stationär eine Entgiftung durchführen zu lassen. Wir treffen uns mit M2 wie vereinbart in seiner Wohnung. Die Wohnung ist verwahrlost und wir zählen offensichtlich rumliegend 8 Liter Wein, 9 Flaschen Schnaps und 28 leere Bierflaschen, die ungefähre Trinkmenge der letzten beiden Wochen von M2 In der Notaufnahme schildern wir dem zuständigen und uns bekannten Arzt, die momentane Lage von M2. Der Klient wird stationär zur Entgiftung im Krankenhaus aufgenommen. Der Aufenthalt dauert 7 Tage. Im Teil 5 ist die Alkoholmenge rot gekennzeichnet, ab dem 18.2 ist der Bereich „Abstinent“

grün markiert und die Einnahme der Psychopharmaka im Krankenhaus stellt sich orange dar. Der schwarze Pfeil im Anrufprotokoll zeigt den Anruf von M2. Der rote Kreis im Bereich „Wohnung“ signalisiert den Hausbesuch vor der Verbringung ins Krankenhaus. Der Kreis im oberen Drittel, stellt die Notaufnahme mit dem Klienten dar. Die Fallbesprechung mit dem aufnehmenden Arzt , bei der M2 nicht anwesend war, wird durch das schwarze Quadrat dargestellt. Im Teil 1 wird die Wohnsituation als verwahrlost eingetragen und der Gesundheitszustand durch Notaufnahme ergänzt.

Betrachtet man speziell die Teile 2-4 so kann man die Interventionsgeschichte verfolgen. Man kann feststellen, dass die Initiative bis zum 17.02.10, der oben beschriebenen Verbringung des Klienten in die Notaufnahme, auf Seiten der Beratungsstelle lag. Ab diesem Zeitpunkt beginnt auch der Klient den Kontakt zur Beratungsstelle zu suchen. Mit Beginn der Qualifizierungsmaßnahme verzichten wir auf die Vereinbarung von regelmäßigen Gesprächsterminen von unsererSeite her und warten den Gesprächswunsch des Klienten ab. Es kam zwar dadurch zu einer 4-wöchigen Pause der persönlichen Gespräche, aber M2 hat den Kontakt wieder gesucht und es hat sich seit dem ein Rhythmus von zwei Wochen etabliert. Ein weiterer nutzen der Dramaturgie hat sich erst später herausgestellt, als der Wunsch nach einer statistischen Auswertungsmöglichkeit lauter wurde. Da diese Art der graphischen Dokumentation jeden Kontakt mit dem Klienten, sowie auch mit Dritten beinhaltet ist es verhältnismäßig einfach die Dramaturgie auch als Statistikverfahren zu nutzen.